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Dieser Text ist im Planungsprozess von einer Single entstanden und ich krieg ihn nicht im Kontext verwurschtelt. Also äh. Ja. Viel Spaß!
Für diese Mission wurde keine Note vergeben.
Das bin ich!
Ich erkenne die silbrig-verbrannte Haut meiner Narben um mein linkes Auge und auf meiner Wange. Ich hab mich selbst vorher auch schon ein paar Mal gesehen. Im Wasser. Oder in dem alten, dreckigen, gesplitterten Spiegel im Waschraum. Manchmal - selten - auf Ikonographien.
Es ist nicht dunkel, aber auch nicht hell. Dämmerung?
Ich sehe müde aus. Erschöpft. Die Augen sind rot, die Lider hängen. Augenringe. Ich bin schmutzig. Straßendreck. Meine Haare sind lang, unordentlich lang, verfilzt.
Ich starre mich an. Blasses Grün, so würde ich die Farbe beschreiben die mich da anstarrt. Erinnert mich an Lauch. Oder Moos. Kohl.
Ist eine Weile her, seit ich mich so angestarrt habe. Seit ich irgendjemanden so angestarrt habe. Wen? Meine Mutter vielleicht. Oder meinen Vater. Sonst, glaube ich, kaum jemanden.
Ein Zwinkern. Das linke Auge schließt sich und öffnet sich wieder. Ganz kurz. Ganz kurz wird die Welt links ganz dunkel und dann wieder nicht ganz hell.
Dann zwinkere ich mir selbst zurück, wie ich sehe. Aber auf dem rechten Augen. Ohne, dass es dunkel wird. Das bringt mich zum Lächeln. Oder zumindest sehe ich mich Lächeln. Mein Mund bewegt sich dabei nicht.
"Hallo." Meine Stimme ist leise, rau, aber trotzdem irgendwie laut gegen die Stille die bis eben da war. "Hallo Jargon", sage ich. Mein Lächeln stört mich etwas, weil es sich nicht ändert wenn ich rede, sich der Mund nicht bewegt. Also kein Spiegel? Aber ich habe mich doch eben bewegt, beim Zwinkern. Vielleicht ist es eines dieser Klickerbilder. Aber dann fehlt das Klickern.
Endlich bemerke ich, dass ich auf dem Boden sitze, mit dem Rücken an eine steinerne, unverputzte Hauswand gelehnt. Sinne, die bis eben inaktiv geschlummert haben, werden plötzlich aktiv. Es stinkt. Ich stinke. Die Welt stinkt, so im Großen und Ganzen. Atembetäubend, würgereizerzeugend, schmerzhaft, stinkt es. Schmerzhaft - mein Kopf, meine Augen, mein Körper. Meine Haut ist unbedeckt, kalt, nass, ungeschützt. Ich spüre Schürfwunden, die sich erst kürzlich verkrustet haben, Feuchtigkeit und Kälte an meinen Beinen und an meinem Hintern und an meinem Rücken. Von der Straße, vom Boden, von den Wänden, taunass und schmutzig.
Meine Zähne, mein Mund ist verklebt mit irgendwas, betäubt von einer Art getrocknetem etwas, was vorher mal feucht war. Im Bart vom Gegenüber-Ich erkenne ich jetzt einen dunklen Rotstich im aufkommenden Licht. Die Morgendämmerung.
Mein Gesicht ist blutig. Mein Bart ist blutig. Meine Haare sind blutig. Ich fletsche die Zähne, und endlich macht mein Gegenüber-Ich mit und zeigt mir, dass meine Zähne auch blutig sind. Ich bin erleichtert und entsetzt.
"Was ist passiert?", murmele ich, und ich fange an zu zittern. Weil mir kalt ist? Nicht nur.
Ich bin Jargon! Jargon Schneidgut. Stadtwächter. In Ankh-Morpork. Es ist Winter - oder Frühling, glaube ich. Ich bin nackt. Ich bin Werwolf. Ich habe Blut im Gesicht. Und am Körper, wie ich im Gegenüber-Ich jetzt erkenne.
Na schön, das reicht jetzt. Ich stehe auf. Meine Beine und Füße tun weh, und sie und viele andere Teile von mir beklagen sich - vor allem über Schmerzen, aber auch über die sich verändernden Kälte- Feuchtigkeits- und Windverhältnisse. Jetzt erkenne ich endlich, wegen abschneidender Kanten und Lichtreflexionen und Perspektivverschiebungen, dass das Gegenüber-Ich einfach nur ein Spiegel ist. Ein großer, schöner Spiegel in einem Rahmen mit goldbedeckten, verschnörkelten Schnecken. Die sind mir vorher gar nicht aufgefallen.
"Hallo", sage ich nochmal zum, wie ich jetzt weiß, Spiegelbild. Warum? Weiß ich nicht so richtig. Es ist fast wie eine Art Reflex, wenn man jemandem begegnet, den man kennt. Oder glaubt, zu kennen. Das "Hallo" hallt eine Weile nach an diesem Ort - es ist ungewöhnlich leise hier. Ungewöhnlich für... - Ich schaue mich um. Und erkenne, dass ich nicht weiß, wo ich bin. Am Geruch erkenne ich aber eindeutig den Ankh von Ankh-Morpork. "Hallo", hallt es irgendwie immer noch nach. Ich schaue zurück zum Spiegel, und irgendwie zucke ich zusammen, erschrecke, ohne so richtig zu wissen, warum. Gehe reflexiv in eine Verteidigungshaltung. Etwas hat sich bewegt was sich nicht bewegen soll. Mein Spiegelbild spiegelt mich, aber... - ganz kurz - ganz kurz dachte ich, es streckt die Hand aus. Oder sowas. Ich habe das nur so kurz gesehen, dass außer meinem Erschrecken nicht viel mehr in meinem bewussten Gehirn angekommen ist.
"Scheiße", murmele ich und glaube zu sehen, dass sich mein Mund mitbewegt wie er sollte. Aber ich muss zugeben dass ich nicht mehr so richtig in den Spiegel gucke, oder gucken will. Ich schaue weg, suche nach einem vertrauten Dings an dem ich mich orientieren kann. Ich merke, dass ich Angst habe! Merkwürdig. Das Gefühl kenne ich gut, aber in dieser Art... hatte ich es seit einer Weile nicht mehr. Ich glaube aber zu wissen, warum. Zum einen fürchte ich mich davor, dass ich gerade offenbar Unerklärliches wahrnehme. Liegt das an mir? Bin ich verletzt, so am Kopf? Oder ist etwas komisch an dem Spiegel? Und zum anderen zittere ich wegen dem, was ich als real wahrnehme, das Blut, die Schmerzen. Es ist die Angst davor, herauszufinden was passiert ist. Die Angst vor dem Realisieren von dem Vergangenen, von den Sachen die im Hirn eigentlich sein sollten, aber gerade nicht da sind. Ich will, dass die Erinnerungen weg bleiben, und gleichzeitig weiß ich natürlich dass ich sie wieder herholen muss. Die Angst lähmt mich, aber gleichzeitig bringt der anhaltende Geruch der Stadt, mit all seinen Nuancen und unablässiger Stinkigkeit, mein Realitätsgefühl zurück. Sekunden vergehen, in denen ich verzweifelt versuche mein Gehirn zu Aktivität anzuregen. Es gelingt mir nur teilweise. Ich schaue an mir herab, und vergleiche - doch, das Blut hab ich wirkich an mir. Nicht nur im Spiegel. Das macht ein paar hervorgequollene Theorien unwahrscheinlicher, und die Angst vor dem Wahren stärker. Na gut, ich bin in Ankh-Morpork. Also habe ich hier ein zu Hause - sollte zumindest eins haben. Nach ein paar weiteren Sekunden des Überlegens lasse ich mich auf meine Hände und Knie hinab, in einer tatsächlich geübten Bewegung.
Ich versuche, nicht in den Spiegel zu schauen.
Der Prozess beginnt mit einem Knurren, das aus den tiefsten Tiefen meines Bauches kommt und sich über die Lunge in den Kopf fortsetzt. Es wird begleitet vom Gefühl einer sprießenden Wärme, von Fell, dass von der Brust über die Hüfte nach unten und über die Schultern nach oben auswuchert. Es tut nicht weh. Mein Gesicht, meine Hinterbeine, mein Steiß streckt sich, ein Gefühl dass sich nie nicht bizarr anfühlt. Meine Fingerknochen verschmelzen zu Pfoten, meine Fingernägel verhärten sich zu Krallen. Mein Schweif war vorher nicht da, aber jetzt habe ich ihn wieder. Ich kenne ihn noch nicht lang, aber ich habe eine merkwürdig enge Verbindung zu ihm. Manchmal denke ich er ist ein eigenständiges Lebewesen.
Ich schüttele mich. Letztes Unwohlsein - das ist dann doch da, währenddessen - weicht der bereits bekannten Müdigkeit, Orientierungslosigkeit und den Schmerzen von zuvor. Ich mache mich auf den Heimweg.
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