Elefantentheater

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von Chief-Korporal Hatscha al Nasa (RUM)
Online seit 01. 02. 2012
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 Außerdem kommen vor: Septimus EbelFynn DüstergutRomulus von GrauhaarLilli BaumKolumbini

Ein Mord ohne Leiche? Eine Leiche ohne Mord? Das muss doch irgendwie zusammenhängen.

Dafür vergebene Note: 10

Romulus nahm noch einen Schluck aus seiner Flasche "Superbulle", ehe er an die Tür seines geschätzten Kollegen klopfte. Nachdem er ein "Ja?" hörte, betrat er das Büro von Kolumbini.
"Hallo Fred, könntest du dich um die Ermittlungen im aktuellen Fall kümmern?"
Der Angesprochene nippte an der Tasse Tee, die auf seinem Schreibtisch stand. Er blickte fragend zu seinem Vorgesetzten. "Worum geht es denn?"
"Ein Zeuge behauptet, einen Mord beobachtet zu haben. Jedoch hat SUSI am vermeintlichen Tatort weder eine Leiche, noch irgendwelche anderen Hinweise für ein Verbrechen gefunden. Ich hab derzeit viel zu tun, der Jahresabschlussbericht ist immer noch nicht fertig, könntest du dich darum kümmern?"
Kolumbini nahm noch einen Schluck, bevor er antwortete. "Na gut. Wo ist der Zeuge?"
"Er wartet unten am Tresen. Vielen Dank!" Der Werwolf gab dem Korporal die noch dünne Akte zum Fall, dann drehte er sich zur Tür. "Ach ja, du könntest die Gelegenheit nutzen und Fynn Düstergut gleich etwas zur Zeugenbefragung beibringen!", fügte der Abteilungsleiter noch hinzu, dann verschwand er.
Inspäctor murrte unwillig. Warum wurden ihm immer wieder nichtsnutzige Gefreite aufgedrückt, die er ausbilden sollte? Im besten Fall trugen sie nichts zur Lösung eines Problems bei. Wenn es schlimm kam, machten sie eine Auflösung gar unmöglich, weil sie falsche Fragen stellten. Er nahm seinen Mantel, goss sich noch etwas Tee nach und ging dann zu Fynn hinüber, um ihn für die Befragung abzuholen.

"Gerhard Netzer", antwortete der Zeuge auf die Frage nach seinem Namen. Kolumbini und Düstergut hatten ihn am Wachetresen abgeholt und ins Gesprächszimmer nebenan gebracht. Netzer war recht gewöhnlich. Er war durchschnittlich groß, hatte unauffälliges braunes Haar in einer Länge, die absolut nicht bemerkenswert war. Seine Nase war nicht zu groß und nicht zu klein, sein Gesicht nicht markant, aber auch nicht weich. Er trug eine braune Weste über einem weißen Hemd, dazu eine schwarze Hose und lederne Schuhe. Er schien nicht arm zu sein, aber als richtig wohlhabend würde man ihn auf den ersten Blick ebenfalls nicht einstufen.
"Wo genau haben Sie denn den Mord beobachtet?", fragte Kolumbini und notierte sich den Namen, während der Gefreite die Befragung protokollieren sollte, was ihn vor eine größere Herausforderung stellte, als es eigentlich der Fall sein sollte. Aber Fynn wollte sich nicht schon so früh durch seine Schreibschwäche bloßstellen, daher gab er sein bestes. Er hoffte einfach, dass seine Mitschrift später nicht mehr näher angeschaut werden würde. Er schob seine Bedenken zur Seite und schenkte der Befragung wieder seine Aufmerksamkeit.
"Ich saß auf der Sentimentalen Brücke und wollte das regnerische Wetter nutzen, um zu angeln."
"Angeln? Im ANKH?", entfuhr es Fynn, was ihm einen funkelnden Blick Kolumbinis einbrachte.
"Naja, der Regen hatte den Fluss verflüssigt, so dass die Chance bestand, mit dem Haken die Kruste zu durchbrechen."
"Ja, aber wer wollte schon die Fische aus dem Ankh essen?", hakte der RUM-Frischling nach, die Blicke seines Ausbilders ignorierend.
"Wer sagt denn, dass ich sie esse? Ich angle zum Zeitvertreib!", rechtfertigte sich der Zivilist.
"Ja, gut, das hat jetzt aber nichts damit zu tun, was Sie uns eigentlich erzählen wollten, Herr... ähm...", der Ermittler schaute auf seine Notizen, "Netzer."
"Ja, also, am Ufer auf der Ankh-Seite sah ich eine Person, die wohl auf jemanden wartete. Schließlich kam ein Mann hinzu, die beiden schienen sich zu kennen, da sie sich zur Begrüßung umarmten. Ich sah etwas blitzen und wenig später sackte die erste Person zusammen. Der andere verschwand. Und dann biss ein Fisch an."
"Und Sie sind nicht hingegangen, um zu sehen, ob das Opfer noch lebt?", fragte Inspäctor, nachdem sein Auszubildender mit dem notieren fertig war.
"Nun, ich wollte erst den Fisch herausholen. Als ich dann wieder hinüber schaute, war niemand mehr zu sehen, nicht einmal das Opfer." Der Zeuge zuckte mit den Schultern.
"Sind Sie sich sicher, dass Sie sich das nicht nur eingebildet haben?"
"Dann wäre ich wohl kaum zur Wache gelaufen!", empörte sich Netzer.
"Nun ja, unser Spurensicherungsteam hat absolut nichts am Tatort entdecken können, was auf die von Ihnen geschilderten Vorgänge schließen lässt", warf Kolumbini ein.
Der Zeuge sah in unsicher an. "Ich kann doch auch nur sagen, was ich gesehen habe!"
"Können Sie wenigstens das Opfer und den Täter näher beschreiben?"
"Das Opfer erschien mir männlich, eher kräftig gebaut. Er sah recht muskulös aus."
"Könnte es ein Zwerg gewesen sein?", hakte Kolumbini nach.
"Nein, dafür war er definitiv zu groß." Der Ermittler nickte Fynn zu, damit er die Beschreibung notierte.
"Und der Täter?"
"Ähnlicher Körperbau. Außerdem hat er eine Glatze, das Opfer hingegen dunkle Haare."
Als Inspäctor sah, dass sein Auszubildender mit dem Mitschreiben fertig war, bedankte er sich bei dem Zeugen und entließ ihn.
"Vielen Dank, Sie haben uns sehr geholfen."

Romulus saß mit einer Tasse Kaffee bei seiner Stellvertreterin. "Ich werde daraus nicht schlau. Sollen wir den Fall weiterverfolgen?"
Ophelia nippte an ihrem Tee. "Ich weiß nicht. Wenn wirklich nichts am angeblichen Tatort gefunden wurde, kann man dann überhaupt von einem Fall sprechen?"
"Eben. Fred konnte dem Zeugen auch keine neuen Informationen entlocken. Ich denke, solange wir keine weiteren Hinweise erhalten, sollten wir dem Fall nicht allzu viel Zeit widmen. Wir haben ja alle auch sonst genug zu tun." Er leerte mit einem Schluck seine Tasse und wechselte das Thema. "Wie läuft die Ausbildung von Hatscha?"
"Wir kommen gut voran. Morgen wollte ich mit ihr die Briefkästen in Ankh in der Nähe des Flusses abgehen, damit sie erfährt, wo sie sich befinden und wie sie bedient werden."
Der Abteilungsleiter nickte. "Sehr gut. Mit Rabbe komme ich auch gut voran. Sehr interessant, an ihr meine bisherigen püschologischen Erfahrungen zu testen."
Die Wächterin lächelte. "Sie macht also Fortschritte?"
"Ich denke schon. Ihr liegt ja auch recht viel daran, in der Abteilung zu bleiben."
"Das ist gut, solche Leute brauchen wir."
"Definitiv." Romulus blickte aus dem Fenster, wo die untergehende Sonne den baldigen Feierabend ankündigte. "Gut, dann hätten wir wohl alles besprochen, oder hast du noch etwas?"
"Nein, im Moment nicht."
Der Werwolf nickte der verdeckten Ermittlerin zu und erhob sich.

Hatscha putzte sich gerade wieder einmal die Nase, als es an ihrem Büro klopfte. Kurz darauf öffnete Ophelia Ziegenberger die Tür.
"Bist du fertig?", fragte sie.
"Einen Augenblick noch." Die neue Kontakterin leerte ihre Teetasse und erhob sich von ihrem Schreibtisch, um sich den warmen Wintermantel überzustreifen. Sie nickte ihrer Bürokollegin Rabbe kurz zu, doch diese schenkte ihr gar keine Beachtung mehr. Dann verließ sie zusammen mit der stellvertretenden Abteilungsleiterin das Zimmer.
"Ich habe mir gedacht, dass ich dir heute die Briefkästen am Ankh zeige", sagte Ophelia, als sie das Wachhaus verlassen hatten.
"In Ordnung."
Die Wächterinnen machten sich auf den Weg zum Fluss. "Hast du von dem neuen... Fall gehört?"
"Mit dem Mord ohne Leiche?"
"Ja, genau der. Ich würde gerne auch mal am angeblichen Tatort vorbeigehen und mich dort umsehen. Er liegt auch auf dem Weg."
Hatscha nickte zustimmend. "Meinst du, SUSI könnte etwas übersehen haben?"
"Selbstverständlich halte ich unsere Kollegen von Suchen und Sichern für fähige Wächter!", rechtfertigte sich Ophelia, was Hatscha ein Grinsen einbrachte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass der interne Abteilungswettstreit ausgerechnet vor der alteingesessenen RUM-Wächterin Halt machen sollte.
Nach einer Weile, die sie mit kleineren Gesprächen gefüllt hatten, ging Hatschas Ausbilderin zielgerichtet auf ein altes Eichenfass zu, das hinter einem Verschlag nahe dem Ufer des Ankh stand. Hatscha sah sich aufmerksam um und prägte sich den Standort ein. Später in der Sicherheit des Wachhauses erfuhr sie von ihrer Ausbilderin, dass über diesen toten Briefkasten mit dem Informanten Günther Delling kommuniziert wurde. Er war Barkeeper in der Hafenkneipe "Zum neunfüßigen Oktopus" und versorgte die Ermittler mit Informationen rund ums Hafenviertel.
Ophelia blickte sich noch einmal um, um sicher zu gehen, dass sie nicht weiter beobachtet wurden, dann hob sie den Deckel des Fasses mit ihrer rechten Hand an.
"Dann wollen wir mal sehen, ob eine Nachricht für uns bereit..." Mit einem leisen Aufschrei der Überraschung ließ sie den Deckel des Fasses wieder zufallen.
"Was ist?"
"Da ist ein Arm."
"Vielleicht hat sich jemand dort versteckt?"
Die verdeckte Ermittlerin schluckte. "Das bezweifle ich. Versteckte Arme haben normalerweise einen Körper, an dem sie befestigt sind."

Wenig später hatten SUSI-Wächter den Inhalt des toten Briefkastens sichergestellt und die Umgebung vergeblich nach Spuren hin untersucht. Ophelia sah die Kollegen erwartungsvoll an. "Und, könnt ihr uns schon etwas mitteilen?"
"Anhand eines Armes einen ganzen Menschen zu identifizieren, dürfte relativ schwer werden", antwortete Magane, die sich um die Sicherstellung des Beweismaterials gekümmert hatte.
"Immerhin wisst ihr schon mal, dass es sich um einen Menschen handelt", warf Hatscha ein.
"Eigentlich nicht. Die Anatomie könnte auch zu einem Werwolf oder einem Vampir passen, unter Umständen käme auch ein großgewachsener Zwerg in Frage. Das muss ich erst einmal genauer untersuchen."
Hatscha ließ ihre Schultern hängen. "Also haben wir gar nichts."
"Doch. Wir wissen, wer alles von diesem Briefkasten weiß und können diese Personen befragen." Die stellvertretende RUM-Abteilungsleiterin lächelte und schrieb eine Notiz. "Tja, deine erste Aufgabe wird wohl sein, den Informanten zu kontaktieren und ein Treffen mit unseren verdeckten Ermittlern zu vereinbaren." Sie wandte sich an die Gerichtsmedizinerin von SUSI. "Wann können wir mit dem Bericht rechnen?"
"Spätestens in zwei Stunden. Sehr viele Informationen werden wir dem Arm wohl nicht entlocken können."
"Gut. Hatscha, komm, wir bringen die Runde zu Ende."

Romulus blickte auf den kurzen Bericht aus der Gerichtsmedizin. Es handelte sich um den rechten Arm eines Menschen, der erst nach dem Tod vom Rest des Körpers getrennt worden war, vermutlich mit einer Axt oder etwas ähnlichem. Vielleicht war ein Zwerg der Täter? Der Arm selbst war recht behaart, außerdem befand sich eine Tätowierung am Oberarm, von der eine Ikonographie beilag. Der Werwolf betrachtete kurz die aufreizende Dame, die das Bild zeigte, dann legte er es zurück zum Bericht.
Der tote Briefkasten war relativ frei von Spuren gewesen, sah man es vom normalen Gebrauch einmal ab. Jedenfalls erst einmal nichts Verdächtiges.
Wenigstens war die restliche Runde von Hatscha und Ophelia recht ereignislos verlaufen. Sie waren noch kurz am anderen Tatort gewesen, um sich dort umzusehen. Sie haben jedoch nichts Auffälliges finden können.
Der Abteilungsleiter seufzte. Zwei Fälle, beide ohne Anhaltspunkte, bei einem nicht einmal sicher, ob es sich überhaupt um einen Fall handelte.
Es klopfte. "Ja?"
Die Tür wurde geöffnet und Hatscha betrat das Büro. "Ich habe unseren Informanten kontaktiert. Er wird sich morgen um elf einem verdeckten Ermittler am Hier-gibt's-alles-Platz treffen. An wen soll ich das weiterleiten?"
Romulus überlegte. Ophelia kam nicht in Frage, sie hatte genug um die Ohren und ihre Verletzung machte ihr die Arbeit nicht einfacher. Blieben noch Lilli Baum, Septimus Ebel und Mimosa. "Ich leite das gleich an Lilli und Septimus weiter. Ich denke, er weiß nichts über den Anlass?" Hatscha schüttelte den Kopf. "Gut. Könntest du dann vor dem Treffen nochmal am Briefkasten vorbeischauen, nur, um sicher zu gehen?"
"Natürlich."

Innerlich angespannt betrat Hatscha am nächsten Tag die Gasse zum toten Briefkasten. Je näher sie dem Fass kam, desto langsamer wurden ihre Schritte. Die Bilder vom vorherigen Tag noch vor Augen hob sie langsam den Deckel an, das schlimmste ahnend. Kurz darauf ließ sie den Deckel fallen, sog die Luft ein und atmete tief durch. Nein, bei DOG wurde man selten mit abgetrennten Köpfen konfrontiert, die einen aus einem ansonsten leeren Fass anstarrten. Sie lief zum nächsten Klackerturm und schickte eine Nachricht an SUSI sowie an ihre Abteilungsleitung.
"Verdammt", wurde sie von Romulus eine Viertelstunde später begrüßt, als er mit dem Team von SUSI und seiner Stellvertreterin am Briefkasten eintraf.
"Immerhin sollte diesmal die Identifizierung einfacher sein", meinte Sillybos, als er das Fass öffnete.
Hatscha nickte nur. "Soll ich das Treffen abblasen?"
"Nein, bloß nicht. Sonst hat er nur Gelegenheit unterzutauchen."
"Aber wenn er die Körperteile hier her bringt, dann sollte ihm doch spätestens heute aufgefallen sein, dass wir Bescheid wissen."
Romulus paffte an seiner Pfeife. "Wenn er auftaucht, ist er sich entweder seiner Sache sehr sicher, oder er ist unschuldig und kann uns vielleicht Hinweise auf den wahren Täter geben."

Den neuen SUSI-Bericht vor sich auf dem Schreibtisch blickte der RUM-Abteilungsleiter seine Stellvertreterin an, die auf dem Besucherstuhl Platz genommen hatte. "Der Kopf und der Arm gehören zur selben Person."
"Also immerhin bisher kein Massenmörder."
"Nein." Er blickte in den Bericht vom Vortag und in die Akte vom Fall ohne Leiche. "Was mich stutzig macht: Der Arm gehörte wohl zu einem Mann, die einen ähnlichen Körperbau gehabt haben musste wie die Person, zu deren Ermordung es einen Zeugen, aber keine Leiche gibt. Der Arm weist eine ausgeprägte Muskulatur auf und auch das Opfer des anderen Falls wurde als muskulös beschrieben."
"Du meinst, wir sollten den Zeugen um eine Identifikation der Leiche bitten?" Ophelia lächelte. Vielleicht konnten sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und beide Fälle zusammen lösen.
"Einen Versuch ist es wert."

Günther Delling stand am vereinbarten Treffpunkt am Hier-gibt's-alles-Platz und sah sich misstrauisch um. Er hoffte inständig, dass ihm niemand gefolgt war. Aber eigentlich gab es dazu ja auch keinen Anlass.
"Herr Delling?", wurde er schließlich auf Schienbeinhöhe angesprochen. Er blickte hinab auf den Gnom, den er als den verdeckten Ermittler Septimus wiedererkannte. Der Wächter trug zivil, um nicht aufzufallen. Hinter ihm stand die stets schweigende Gestalt von Lilli Baum, ebenfalls eine Wächterin, mit der der Informant bereits zu tun hatte. Er nickte den beiden zu. Zusammen verließen sie den belebten Platz und zogen sich in eine ruhige, leere Seitengasse zurück, um zu sprechen.
"Ihr habt also meine Botschaft erhalten."
Die verdeckten Ermittler sahen sich irritiert an. Von einer Botschaft hatte Romulus nichts erwähnt.
"Den Inhalt des Briefkastens."
"Ach so, ja. Dazu wollten wir dich befragen. Wir müssen leider davon ausgehen, dass du die... Teile dorthin gebracht hast. Aufgrund dessen bist du unser Hauptverdächtiger in diesem Fall", erläuterte Septimus.
Delling schaute sich um und lehnte sich gegen eine Häuserwand, wo er sich eine Zigarette anzündete, was ihm böse Blicke seiner Gesprächspartner einbrachte. "Davon bin ich ausgegangen. Aber wäre das nicht etwas arg offensichtlich?"
"Deswegen suchen wir auch das Gespräch. Warum hast du sie dort abgelegt?"
Er senkte die Stimme. "Das kann ich leider nicht sagen."
"Wo ist der Rest der Leiche?"
Der Informant seufzte. Er beugte sich zu Lilli vor und flüsterte etwas. Die RUM-Wächterin nickte und lächelte.
Der Informant warf den beiden einen bedeutungsvollen Blick zu. "Ich muss jetzt los." Damit drehte er sich um und war verschwunden, ehe die Wächter einen Einwand erheben konnten.
Der Gnom sah seine Kollegin an. "Damit können wir doch nicht zu Romulus zurückkehren!"
Lilli nickte und marschierte zielstrebig los, woraufhin Septimus kurz den Kopf schüttelte und ihr nacheilte. Ihr Weg führte sie ins Hafenviertel. Jetzt verstand er. Sie wollte vor Ort mehr herausfinden.

Es klopfte an der Tür von Inspäctor. "Hm, herein?"
Ein Gefreiter von SEALS öffnete die Tür. "Herr Netzer wartet am Tresen."
Der Ermittler nickte und erhob sich. Mit seinen Unterlagen ging er hinunter, um den Zeugen abzuholen.
"Guten Tag, Herr, ähm...", er blickte kurz in seine Notizen, "Netzer. Schön, dass Sie noch einmal Zeit für uns gefunden haben."
Der Zeuge nickte. "Sie haben mich herbestellt?"
"Ja. Wir haben einen... Leichnam gefunden, mittlerweile sollte er auch vollständig sein. Vielleicht können Sie uns ja hilfreich sein bei der Identifizierung? Ihre Beschreibung würde jedenfalls passen."
Kolumbini machte sich auf den Weg zur Kellertreppe, den Zeugen im Schlepptau. "Ich habe ihn nur von fern gesehen, ich kann daher vermutlich keine sichere Aussage treffen."
"Wir werden, hm, sehen." Er klopfte an die Tür zur Gerichtsmedizin.
"Ja?" Er öffnete und blickte in die Gesichter von drei SUSI-Wächtern. "Ah, Fred, komm doch herein, du kommst wegen der Leiche?", begrüßte ihn die Abteilungsleiterin.
Der Ermittler rümpfte die Nase. "Weswegen sollte ich sonst herkommen?"
"Er liegt dort drüben." Sie führte ihn zu einem Tisch, auf dem von einem Tuch verdeckt ein Leichnam lag.
"Komm schon", sagte er zu Netzer, der noch kreidebleich in der Tür stand. An Magane gewandt fügte er hinzu, "Ihr habt ihn zusammenfügen können?"
"Weitestgehend, nachdem Lilli und Septimus den Rest gefunden hatten." Die Gerichtsmedizinerin schlug das Tuch etwas zurück, so dass der Kopf freigelegt wurde.
Vorsichtig und mit angehaltenem Atem trat der Zeuge näher und warf einen kurzen Blick auf die Leiche. Auf einmal machte sich Entsetzen in seinen Augen breit. "Das ist... ist..." er wandte sich ab.
"Sie erkennen den Mann?", hakte Kolumbini unerbittlich nach.
Gerhard Netzer konnte nur nicken. "Ich kenne ihn", flüsterte er.
Kolumbini klopfte mit seinem Stift leicht gegen sein Glasauge. "Ich denke, wir haben hier alles gesehen. Vielen Dank." Er nickte den SUSI-Kollegen zu und führte den Zeugen hinaus. "Etwas frische Luft tut Ihnen jetzt sicher gut."
Netzer, der immer noch aussah, als hätte er ein Gespenst gesehen, nickte schwach und folgte ihm nach oben.
"Er war mein Freund. Ich... hab ihn aus der Entfernung gar nicht erkannt."
Fred nickte. "Wie hieß er?"
"Bernhard Bäumchen."

"Okay, so langsam nimmt der Fall kuriose Züge an", eröffnete Romulus das Gespräch. Ophelia, sowie Fred, Fynn, Hatscha, Lilli und Septimus hatten sich zur Fallbesprechung im Abteilungsleiterbüro eingefunden. "Unser Zeuge hat, nach Freds Befragung, die zerstückelte Leiche als die identifiziert, deren Ermordung er beobachtet hatte. Desweiteren konnte er uns mitteilen, dass es sich um Bernhard Bäumchen, einen Elefantenzüchter aus Klatsch, handelt."
Die anwesenden RUM-Wächter tauschten irritierte Blicke aus. "Lilli Baum und Septimus Ebel konnten nach ihrem Gespräch mit dem Informanten im Hafenviertel die restlichen Leichenteile finden. Demnach steckt der Informant irgendwie mit drin. Geht auf jeden Fall in Zukunft vorsichtiger mit ihm um, ich weiß nicht, inwieweit ihm noch zu vertrauen ist."
Die betroffenen Wächter nickten.
"Außerdem hat SUSI bestätigt, dass das Opfer durch einen gezielten Messerstich in den Rücken zwischen die Schulterblätter ermordet wurde, wie der Zeuge es wohl beobachtet hat. Demnach können wir davon ausgehen, dass es sich tatsächlich um den selben Fall handelt", fasste Romulus die Faktenbasis zusammen.
"Konnte SUSI Aussagen über die Messergröße treffen?"
"Es handelte sich vermutlich um einen größeren Dolch. Auch ein großes Küchenmesser käme in Frage."
Eine kleine Gnomenhand erhob sich. "Ja, Septimus?"
"Nun, wir ihr alle wisst, bin ich da in dieser Umweltorganisation, BAUM, an deren wöchentlichen Treffen ihr natürlich wie immer gerne eingeladen seid."
"Ja, weiter?"
"Wo du die Elefanten erwähnt hattest, kam ich drauf..." Romulus blickte ihn auffordernd an. "Nun ja, es gab in letzter Zeit immer wieder Aktionen, die zwar nicht direkt von BAUM. Ausgingen, aber von einer Schwesterorganisation, die die Elfenbeingewinnung anprangern. Vielleicht könnte das...?"
"Sehr gut, Septimus! Kannst du dich da weiter schlau machen? Ich denke, das könnte eine gute Fährte sein."

Septimus klopfte an die Tür einer kleinen Blockhütte am Stadtrand. Eine Luke weit über seinem Kopf öffnete sich. Der Gnom klopfte nochmal. "Ich bin's, Septimus! Ich muss mit dir reden!"
Eine Katzenklappe wurde geöffnet. "Komm rein."
"Danke Otto." Der Gnom betrat das Holzhäuschen, das ein wenig an das Innere eines Baumes erinnerte.
"Was kann ich für dich tun?", antwortete ein großgewachsener Mann, der Eigentümer der Behausung.
"Beim letzten Treffen hast du doch deine Organisation vorgestellt, die..."
"ALFA, Artgerechtes Leben Für Alle. Möchtest du einen Tee?"
"Ja gerne. Ging es da nicht auch um Elefanten?"
Otto seufzte traurig, während er den Tee zubereitete. "Ja. Der Elfenbeinhandel in Klatsch hat weiter zugenommen, was zu übertriebenen Elefantenzuchten führt und zu Tötungen von Tieren nur für dieses... Zeug."
"Ich denke, du kannst mir weiterhelfen."
Er reichte dem Gnom einen Fingerhut mit duftendem Inhalt und sah ihn fragend an.
"Kennst du einen Bernhard Bäumchen?"
Der Tierschützer wies den Besucher auf, in den Wohnbereich zu gehen. "Tatsächlich sagt mir der Name etwas. Er ist Elefantenzüchter in Klatsch, einer unserer stärksten Gegner."
Septimus nippte an seinem Tee. "Was kannst du mir über ihn erzählen?"
"Nicht sehr viel. Wir waren früher mal befreundet, er hatte sich auch mal für den Tierschutz engagiert. Doch dann wurde er gierig, er hat gemerkt, wie viel Geld man mit Elfenbein machen kann. Leider." Verbitterung schwang in seiner Stimme mit.
Der verdeckte Ermittler nickte. "Hast du in letzter Zeit mit ihm Kontakt gehabt?"
"Nein, hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Zum Glück. Was er den Elefanten antut... das könnte ich ihm nicht verzeihen. Da werde ich aggressiv." Er ballte die Fäuste.
"Na gut. Dann weißt du vermutlich auch nicht, wo ich ihn finden kann?"
"Nein, was willst du überhaupt von dem Mistkerl?"
"Ich hab gehört, dass er mit der Umwelt auch nicht so gut umgeht", log Septimus. "Seine Elefanten trampeln alles nieder und um die Wiederaufforstung kümmert er sich überhaupt nicht."
"Ja, das ist eine Katastrophe."
"Naja, ich muss jetzt auch schon wieder los. War nett mit dir zu plaudern. Vielen Dank für den Tee." Der Gnom erhob sich und brachte seinen Fingerhut zurück in die Küche, wo er sich noch einmal umschaute. Sein Blick fiel auf eine Reihe großer Küchenmesser, die an einem Magneten an der Wand hingen. Er verließ den Raum und ging zur Haustür.
"Schade, dass du schon gehen musst", meinte Otto, der ihm gefolgt war.
Septimus lächelte. "Sehen wir uns am nächsten BAUM-Treffen?"
"Bestimmt."

Wenig später betrat Otto die Hafenkneipe "zum neunfüßigen Oktopus". Zielstrebig marschierte er zur Bar und bestellte ein Bier.
"Günther, hast du irgendeinen Mist gebaut? Ich war im Versteck, sie ist nicht mehr da!"
Der Barkeeper zapfte ihm das Bier und stellte es vor dem Kunden auf den Tresen. "Ich hab mich um einen besseren Aufbewahrungsort gekümmert."
Der Tierschützer sah ihn misstrauisch an. "Und dann ist da noch dieser Gnom! Ich weiß nicht, wie dieser militante Umweltschützer darauf kommt, dass ich Bäumchen kenne, jedenfalls hat er mich auf ihn angesprochen. Ich sag dir, wenn du mich verpetzt hast..." Er hob drohend die Faust. "Außerdem hab ich dich beobachtet, wie du dich heute Mittag in einer Gasse am Hier-gibt's-alles-Platz mit irgend so einer Frau getroffen hast! Was wollte die denn von dir?"
Delling atmete erleichtert aus. Den Gnom hatte Otto wohl nicht bemerkt. "Das ist Privatsache, das geht dich nichts an." Er wischte einen Bierkrug mit einem feuchten Lappen aus, während er weitersprach. "Hast du ernsthaft erwartet, dass die Sache unentdeckt bleibt?" Delling beugte sich vor und senkte die Stimme. "Was willst du überhaupt mit der Schiffsladung Elfenbein anstellen?"

Septimus hatte genug gehört. Nachdem er das Haus von Otto verlassen hatte, versteckte er sich im Gebüsch. Als kurz darauf Otto selbst seine Hütte verließ, folgte ihm der verdeckte Ermittler unauffällig. Er war nicht überrascht, dass ihn der Weg ins Hafenviertel führte.
Aus dem Schatten unter einem Tisch nahe dem Tresen hatte er das Gespräch verfolgt und nicht schlecht gestaunt, dass sein Informant sowie ein vermeintlich Verbündeter gemeinsame Sache machten. War Otto vielleicht gar nicht der Tierliebhaber, für den er ihn gehalten hat? Enttäuscht wandte er den Blick ab. Beim nächsten BAUM-Treffen würde er wieder allein sein. Otto ging es wohl tatsächlich nur um das Elfenbein und das Geld, das er damit verdienen konnte. Er seufzte. Immerhin war das ein klares Motiv. Er verließ die Bar, um seine Kollegen zu verständigen.

Als Otto nach Hause kam, staunte er nicht schlecht, dass er von Kolumbini und Fynn Düstergut mit gezückter Dienstmarke erwartet wurde. "Kommen Sie bitte mit uns mit, wir müssen uns unterhalten."
"Ich habe nichts verbrochen!"
"Das finden wir sicherlich später bei einem netten Gespräch heraus. Wenn Sie nicht freiwillig mitkommen, müssen wir Sie leider dazu zwingen", fuhr Fynn Düstergut unbeeindruckt fort. Kolumbini ließ ihn gewähren.
Der Tierschützer sah sich hektisch nach Fluchtmöglichkeiten um, konnte aber keine finden. Hinter ihm stand ein weiterer Wächter mit Pfeife im Mund, die er genüsslich paffte. Schließlich gab er auf und ließ sich von den Wächtern abführen.
Romulus nickte Septimus zu, der sich unauffällig im Gebüsch versteckt hatte. "Gute Arbeit."
Zählt als Patch-Mission für den Kontakterin i. A.-Patch.



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Feedback:

Von Braggasch Goldwart

03.2.2012

Schöner Stil, schöner Plot. Weder das eine noch das andere hat mich - leider ein subjektiv, weshalb ich keine sinnvollen verbesserungsvorschläge angeben kann - wirklich vom Hocker gerissen, aber es gab auch nichts, was mich gestört hat. Die Abteilung wurde plastisch und nachvollziehbar eingebaut, die Geschichte selbst lies sich angenehm in einem Rutsch durchlesen.

Von Jargon Schneidgut

05.2.2012

Also, die Geschichte fand ich an sich ganz in Ordnung. Sie hat sich gut und flüssig gelesen, Schreibfehler sind mir keine aufgefallen. Der Plot an sich war gut und originell, und dass Septimus' persönliche Kontakte dabei ins Spiel kamen fand ich auch gut. Leider fand ich das Ende viel zu abrupt und zu einfach, da hätte man noch viel mehr draus machen können. Ich schätze mal, da wurde der Zeitdruck zu groß ;). Grundsätzlich also okay, aber ein wenig zu hastig.

Von Ophelia Ziegenberger

02.2.2012

Wie das mit dem Pokal immer so ist... bei der R.U.M.-Single bin ich raus mit der Wertung. ;-) Was den Rest angeht... Hatscha ist in ihrer neuen Abteilung angekommen und wird auch gleich mit Dingen konfrontiert, die es bei der D.O.G. für sie bisher nicht gab. Sehr schön! ^^ Ophelia als Ausbilderin zu erleben/lesen ist irgendwie sehr ungewohnt aber auch sehr nett. Und witzig fand ich, dass beinahe jede Figur im Laufe der Geschichte an irgendeinem Getränk genippt hat. :-D

Von Septimus Ebel

21.2.2012

Liebe Hatscha!

Schön, dass du bei RUM angekommen bist. Vielen Dank für deinen Einsatz für unsere Abteilung! Eine solide kleine Geschichte, die ich gerne gelesen habe! Der Plot führt die beiden scheinbar unzusammenhängenden Fälle logisch zusammen und du schilderst die Abteilungsarbeit recht gut. Ich für meinen Teil hätte mich noch über etwas mehr Detailliebe bei der Szenen- und Charakterdarstellung gefreut, aber ich weiß, dass das bei einer wortzahlbegrenzten Pokey gar nicht so einfach ist. Und dafür, dass du als Pokey-Schreibering dieser Grenze unterworfen warst, finde ich, hast du die Charakteren ganz gut getroffen. Besonders gefreut hat mich natürlich die tragende Rolle von einem gewissen Gnom ;-)

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