Abteilungsleiter für einen Tag

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von Feldwebel Lilli Baum (RUM)
Online seit 01. 08. 2011
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 Außerdem kommen vor: Septimus EbelFynn DüstergutOphelia ZiegenbergerReiner RundumschlagKolumbiniMina von Nachtschatten

Nicht jeder Wächter kann mit großer Verantwortung gleich gut umgehen. Aber rein hypothetisch...

Dafür vergebene Note: 11

Fordernd legte er ihr die Hand um die Hüfte und zog sie näher zu sich hin. "Ich weiß, dass du es auch willst; dich genauso sehr danach sehnst wie ich!" Sie erschauerte unter seinem warmen, schweren Atem und versuchte sich von ihm abzuwenden, doch es gelang ihr nicht. "Oh Roberto, ich weiß, mein Herz gehört allein dir, doch es darf nicht sein, denn ich bin von Adel und du nur ein einfacher Stalljunge!"
Er packte sie am Handgelenk und zog sie näher an sich heran: "Diese Nacht gibt es keine Standesunterschiede, denn diese Nacht gehört allein uns!"
"Oh Roberto!" Das Verlangen gewann die Überhand, schließlich war er wahrhaft wohl gestaltet, seine Muskeln trainiert und ausdauernd, prachtvoll und groß seine männliche Lustbeule
...

Entnervt seufzte Ophelia und schlug das Buch zu. Schon wieder so ein billiger Schundroman. Wieso hatte sie sich nur von Tante Pätrischa zu "damenhafter" Lektüre überreden lassen? Genervt trommelte sie mit ihren Fingern ihrer gesunden Hand auf der Tischplatte herum und ließ dann ihren Blick im RUM-Bereitschaftsraum umher schweifen. Außer ihr waren nur Mina und Septimus anwesend, die sich leise miteinander unterhielten. Der Raum war irgendwie ungemütlich und karg, denn er wurde nur selten genutzt, die meisten Wächter RUMs waren während ihrer Schichten ständig unterwegs. Und wenn sie doch mal im Wachhaus waren, dann hielten sie sich meistens in ihren Büros auf, die erfahrungsgemäß durch persönliche Gegenstände aufgewertet und gemütlicher gemacht worden waren. Nun, sie selbst hatte ihr eigenes Büro mittlerweile über, die Enge und Abgeschiedenheit eines Stellvertreterbüros waren keine Dauerlösung. Ihre Schulter mochte zwar verletzt sein, aber das war dennoch kein Grund in ihrem Kämmerchen zu versauern. Und als guter Wächter galt es auch die Beziehungen zu den Kollegen zu pflegen. Und dazu war der Bereitschaftsraum gut geeignet, wenn dann mal jemand dort vorbei kam.
"Weißt du eigentlich schon, wer unser nächster Abteilungsleiter wird?", fragte Mimosa und nippte an einer Tasse Tee.
"Klar", erwiderte Septimus. "Es wird wieder Romulus. Wer soll den Posten denn auch sonst übernehmen? In unserer Abteilung hat niemand einen entsprechend hohen Rang. Außer Lilli, aber die ist ja wohl kein Abteilungsleitermaterial."
Mimosa zuckte mit den Schultern, nahm sich einen Keks, brach ein Stück für Schleicher ab und steckte es in ihre Kapuze. "Hätte ja sein können, dass jemand aus einer anderen Abteilung sich für diesen Posten bewirbt. So etwas gibt es immer wieder."
Septimus nahm sich ebenfalls einen Keks, der in seinen Händen natürlich überdimensional groß wirkte und knabberte vorsichtig daran herum. "Hm... es wäre schon interessant, mal zur Abwechslung einen anderen Abteilungsleiter zu haben, nur um zu sehen, was dann anders wäre... Am ulkigsten wäre es natürlich, wenn man mal selber einer sein könnte und sei es nur für einen Tag."
Mimosa lachte auf: "Du Abteilungsleiter? Was haben wir dann zu erwarten, etwa tägliche Patrouillen, um verirrte Frösche einzusammeln und in den Hide Park zu bringen?"
Septimus grinste schelmisch zurück. "Wieso auch nicht?"
Ophelia verkniff sich ein amüsiertes Lachen und steckte ihre Nase wieder in ihre Lektüre, damit sich die beiden Kollegen nicht belauscht fühlten. Als nach einer Weile Mimosa und Septimus den Raum schließlich verließen, legte sie ihr Buch erneut beiseite und stellte sich vor, wie es wäre, wenn sie Abteilungsleiter wäre...

Abteilungsleitung: Ophelia Ziegenberger


"Hallo, hat hier jemand Ophelia gesehen?", fragte Mina in den Raum herein, woraufhin die Gesuchte ihr Buch erneut zuklappte und beiseite legte.
"Ja, was möchtest du, Lance-Korporal?", fragte Ophelia höflich und lächelte Mina freundlich an.
Diese salutierte zackig: "Ich habe nach Ihnen gesucht, Mä'äm! Die Versammlung kann ohne Sie nicht losgehen."
"Oh, natürlich, wie konnte ich die nur vergessen? Mein Versuch meine Gedanken wieder etwas frei zu kriegen, war wohl ein wenig zu erfolgreich!"
Zusammen machten sich die beiden Frauen auf den Weg in das Abteilungsleiterbüro, wo sie der normale frische Duft mit einer Spur von Tee, zusammen mit einem Großteil der Abteilung schon erwartete. Ophelia hielt sich nicht lange mit Begrüßungsfomalitäten auf, sondern griff sich eine vorbereitete Schachtel mit Zetteln und einen Zeigestab. Sie deutete auf die Karte neben der Tür, wo schon ein Rudel Stecknadeln steckte. "Hier seht ihr einen Plan der Stadt, auf dem markiert ist, wo es in den letzten Tagen immer zu Raubüberfällen gekommen ist."
Sie ließ den Kollegen etwas Zeit sich auf dem Plan zu orientieren und fuhr dann fort: "Durch die Recherchen von Feldwebel Grauhaar" - sie nickte kurz in seine Richtung - "konnten wir mittlerweile herausfinden, dass die Räube alle miteinander zu tun haben; es wurden nämlich nur Personen angegriffen, die in einem bestimmten Laden"- sie nahm eine Stecknadel mit einem extragroßen Kopf und steckte ihn an eine Stelle der Karte - "nämlich 'Sultan Saribas Schwarzmarkt' eingekauft haben."
Eine Hand schoss in die Höhe.
"Ja, was möchtest du wissen, Gefreiter Düstergut?"
"Ich will ja nicht dumm erscheinen... aber 'Schwarzmarkt'? Sind Schwarzmärkte nicht normalerweise illegal? Das ist doch die Voraussetzung, dass etwas überhaupt als Schwarzmarkt bezeichnet werden kann!"
"Nun, ich glaube, da kann dir Romulus besser weiterhelfen", stellte Ophelia fest und hüstelte.
Romulus nahm einen Schluck aus seiner Superbulledose und schnippte mit den Fingern: "Das Ganze ist leicht erklärt, der Name ist uminterpretiert worden. Statt irgendwelches Zeug gegen das Gesetz unter der Ladentheke zu verhökern, hat man sich hier etwas... Besonderes einfallen lassen um der Bezeichnung gerecht zu werden."
"Was denn?"
"Der Laden ist schwarz. Der Boden ist schwarz, die Regale sind schwarz, selbst die Bedienung ist schwarz. Richtig schwarz, nicht nur ein dunkles Braun oder so. Und auch bezüglich der Ware ist der Laden sehr... spezialisiert."
Ophelia räusperte sich. "Nun, dann sollten wir uns wieder dem eigentlichen Fall zuwenden. Da es sich bei vielen der Ausgeraubten um Personen der gehobeneren Gesellschaftsschichten handelt, hat die Beendung dieser Verbrechensserie erhöhte Priorität. Da wir wissen, was die Opfer miteinander verbindet haben wir eine solide Ausgangslage um den Fall zu bearbeiten."
Sie nahm einen Zettel aus der Kiste und reichte ihn an Romulus weiter.
"Du, Kolumbini und Fynn werdet die bisherigen Opfer noch einmal genauer befragen, insbesondere wegen der Verbindung zu dem Laden. Geht dabei nicht subtil vor, die Täter sollen ruhig Wind davon bekommen, dass wir Ihnen auf der Spur sind, auf die Weise halten sie sich hoffentlich im Hintergrund und begehen keine weiteren Raubüberfälle."
Ophelia wandte sich an die verdeckten Ermittler zu: "Ich brauche euch undercover. Mina, du gehst zum Restaurant 'Lotussegen'" - eine neue Stecknadel fand ihren Platz - "Und Mimosa, du schaust dich bitte bei 'Juwelier D. Lücks' um." - und noch eine - "Septimus, du nimmst den Schwarzmarkt unter Beobachtung, während du, Reiner, dich bitte einmal im Milieu umhörst, ob es da vielleicht einige Gerüchte oder andere Anhaltspunkte gibt."
"Aber, aber, aber ich...", stotterte der Zwerg erschrocken: "Ich bin doch gar kein verdeckter Emittler... Ich weiß nicht, ob ich so was gut kann... Könnte das nicht Lilli machen?"
Ophelia schüttelte den Kopf: "Nein, Lilli ist schon mitten drin in einer Ermittlung, von der ich sie nicht abziehen kann. Außerdem bin ich mir sicher, dass du das schaffst, Gefreiter Rundumschlag. Stell es dir einfach wie eine normale Anwerbung vor, nur dass du dabei diesmal keinen Kontakt finden musst."
Der Zwerg nickte, auch wenn auf seinem Gesicht immer noch Schatten des Zweifels lagen.
Ophelia ließ ihren Blick über die versammelte Truppe schweifen und nickte dann einmal bestärkend: "Das wäre soweit geklärt, ihr wisst, was ihr zu tun habt. Ich wünsche euch viel Erfolg, wenn ihr irgendwelche Ergebnisse erzielt, dann kehrt sofort ins Wachhaus zurück, oder benutzt einen der Briefkästen, Taubenpost steht uns leider momentan nicht zur Verfügung. Ich und Jack werden eure Ermittlungsergebnisse sammeln und auswerten."

Abteilungsleitung: Mina von Nachtschatten


Der Lotussegen verströmte vielfältige exotische Gerüche, nach Curry, Kurkuma und interessanterweise auch jeder Menge Kreuzkümmel. Mina ließ sich nicht vom Duft ablenken, sondern ihren Blick über das Restaurant schweifen auf der Suche nach der Person, mit der sie ein "Rendezvous" hatte. Bei einem der Überfalle hatte es einen Zeugen gegeben, und er hatte darauf bestanden, seine Erlebnisse nur dem Abteilungsleiter zu schildern. Mina wäre es zwar lieber gewesen, nur ihre Kollegen zu koordinieren, wodurch es leichter gewesen wäre, den Überblick zu wahren, aber manchmal ging es eben nicht anders, als selbst Hand in so einem Fall anzulegen.
Sie entdeckte den Mann mit dem Stock, und Augenblicke später dämmerte ihr, wieso ausgerechnet der Stock als Erkennungszeichen ausgewählt worden war.
"Guten Abend", begrüßte sie den Alten, der mit trüben Augen grob in ihre Richtung starrte.
"Guten Abend", begrüßte er sie und hüstelte: "Sie sind der Abteilungsleiter?"
"Ja." Mina kratzte sich verlegen am Nacken und fragte sich, was sie hier eigentlich genau wollte. Der Mann war vollkommen blind! Was für eine blöde Sache, für einen sachdienlichen Hinweis hätte sie ihren halben Arm gegeben! Die ausgeraubten Personen waren nämlich alles hinterrücks mit einem kräftigen Schlag auf den Knopf niedergeschlagen worden und konnten deshalb auch nicht sagen, wer oder was sie da eigentlich angegriffen hatte. Eine wahrhaft vertrackte Situation!
Aber da sie nichts zu verlieren hatte... "Was genau haben Sie denn gesehen?" Einen Augenblick später schalt sie sich selbst eine Närrin, normalerweise ging sie vorsichtiger mit den Gefühlen anderer Leute um.
"Graue Schleier", stellte der Mann fest und grinste. "Aber was ich gespürt und gehört habe, ist viel interessanter!"
"Dann nur zu, erzählen Sie!"
"Ich war an der Ecke Schipselgasse-Glockenweg betteln, als ich den Schrei eines Mannes hörte. Ich bin sofort hingeeilt, denn wo ein Mord passiert, gibt es hinterher bekannterweise neue gebrauchte Stiefel. Ich habe mich also vorsichtig vorgetastet und als ich den Stiefel fand, wollte ich natürlich sofort zugreifen, aber eine mir unbekannte Macht hat ihn mir einfach weggezogen! Auch sämtliche anderen Gegenstände von einem wie auch immer gearteten Wert verschwanden auf mysteriöse Weise. Dann konnte ich spüren, wer oder was da am Werk war, und glauben Sie mir, es waren Windgeister!"
"Windgeister?!"
"Ja natürlich. Federleicht sind sie mir über die Hände gestrichen und ich konnte ihr schrecklichen Wehlaute hören, ein jeder hatte einen anderen, ich denke mal es waren insgesamt so etwa vier Geister."
"Das... hilft uns kein bisschen weiter...", stellte Mina enttäuscht fest.
"Nichts desto trotz will ich meinen Dollar!", forderte der Bettler, doch Mina schüttelte den Kopf: "Prämien gibt es auch nur für Informanten, die nützliche Informationen ablierfern."
"Was für eine blöde Regelung... Wer denkt sich denn nur so was was?"
"Ich", entgegnete die Vampirin und schüttelte den Kopf: "Ich glaube nicht, dass weiteres Gespräch noch mehr bringt."
"Für fünf Dollar könnte ich mich vielleicht viel besser an alles erinnern...", säuselte der Penner, doch Mina schüttelte nur den Kopf.
"Das Budget meiner Abteilung ist äußerst knapp bemessen. Wir können nicht einfach eben mal so Gold raus hauen. Ich wünsche noch einen schönen Tag." Damit verließ die Wächterin den Lotussegen. Ihr Rendezvous schaute ihr nur enttäuscht hinterher und murmelte: "Die klassischen Abzocken haben früher eindeutig besser funktioniert."


Abteilungsleitung: Septimus Ebel


Der Gnom in der brauen Kutte betrat selbstbewusst den Schwarzmarkt. Interessiert ließ er den Blick schweifen. Romulus hatte recht, es war wirklich alles schwarz, sogar die Kerzen, die alles in flackerndes Licht tauchten. Selbst das wirkte schwarz, ob man da irgendwelche illegalen Substanzen beigemischt hatte? Womöglich aus amoralisch gewonnenen Krötenöl!
Missbilligend hob Septimus eine Augenbraue und begann im Laden herum zu spazieren. Das Warensortiment bestand hauptsächlich aus Kleidung, Stoffen und Accessoires. Hochmutig rümpfte er die Nase, er selbst musste sich nicht mit Unmengen an Geschmeide zu behängen, um auf andere attraktiv zu wirken. Höchstens mal ein kleiner Hut um die Pläte zu verdecken... aber mehr auch nicht!
"Guten Abend!", riss ihn eine dunkle Bassstimme aus den Gedanken und erschrocken wandte sich der Gnom dem Verkäufer zu, der in offensichtlich bemerkt hatte. Septimus straffte trotzdem seine Schultern und versuchte Autorität und Respektierbarkeit auszustrahlen. Er war schließlich nicht aus Jux und Tollerei hier, sondern aus verdammt guten Grund, und kein Verkäufer auf der Welt würde ihn davon abhalten, erfolgreich zu ermitteln! Schließlich musste er den Kollegen bei RUM ein gutes Vorbild liefern.
"Was kann ich für Sie tun?", fragte der extrem dunkelhäutige Mann, woraufhin sich Septimus Ebel geräuschvoll räusperte.
"Ich möchte das Sortiment betrachten, denn ich könnte mich eventuell dazu durchringen etwas von ihren Waren vielleicht erwerben zu wollen."
"Oh, wie großzügig", entgegnete der Verkäufer mit einem breiten Lächeln, das zwei Reihen strahlend weißer Zähne entblößte.
Der Gnom stemmte sich eine Hand in die Seite und musterte sein Gegenüber misstrauisch: "Wollen Sie sich etwa über mich lustig machen? Ich habe eine sehr wichtige Position in einer sehr einflussreichen Organisation inne und verfüge deshalb über ein sehr ähm... geldvolles Budget."
"Natürlich, Sir. Dürfte ich wissen, welche Organisation genau?"
Die Gedanken des Gnomes rasten. Er brauchte dringend eine überzeugende Lüge! Doch dann schüttelte er innerlich den Kopf. Die Wahrheit war immer noch die beste Lüge.
"Ich bin Leiter der Abteilung für Raub und Mord in der Stadtwache. Sie haben sicher schon von uns gehört, wir wurden bereits mehrmals mit einem Pokal für unsere herausragenden Leistungen gewürdigt."
Der Gnom lächelte charmant und beschloss das Ganze noch mit einer kleinen Prise Unwahrheit zu würzen. "Ich überlege ja schon seit einer Weile, die Abteilung neu mit Paradeuniformen eindecken zu lassen. Und genau da kommt ihr Geschäft ins Spiel. Ich habe viel Lob über die außerordentliche Qualität ihrer Stoffe gehört."
"In der Tat, in der Tat!", erwiderte der Verkäufer und rieb sich die Hände. "Wenn Sie mir denn folgen würden, dann könnte ich Ihnen unsere Kollektion fortführen!"
"In Ordnung. Führen sie eigentlich noch andere Farben außer Schwarz?"
"Nein."
"Hm... dann haben sie ja ein außerordentlich beschränktes Sortiment."
"Mitnichten, wie kommen Sie denn darauf?" Der Verkäufer zog eine Stoffbahn von einem Stapel herunter und präsentierte sie Septimus, indem er das Tuch entwickelte und über seinen einen Arm warf. "Hier haben wir zum Beispiel ein Mitternachtsschwarz."
Er wiederholte das Ganze mit einer anderen Stoffbahn: "Und hier ein Ein-Uhr-Nachts-Schwarz! Bemerken Sie den Unterschied? Besonders wenn man die beiden nebeneinander hält, ist er so gravierend wie Tag und Nacht, Sommer und Winter, Äpfel und Wahoonies."
"Oh... offensichtlich", erwiderte Septimus und kniff die Augen zusammen in der Hoffnung doch noch den Unterschied zu erkennen.
Unbeirrt fuhr der Verkäufer fort und zeigte dem Gnom unzählige weitere Stoffe in den unterschiedlichsten Schattierungen. Kohleschwarz, Pechschwarz, Rabenschwarz und natürlich Kohlpechrabenschwarz; tiefschwarz, dunkelschwarz, tiefdunkelschwarz; bunt-schwarz und natürlich schwarzschwarz, welches so dunkel war, dass man dem Farbstoff noch Unmengen an Weiß beimengte, weil der Anblick sonst nach einer Weile für Kopfschmerzen und in schlimmen Fällen explodierenden Augäpfeln geführt hätte.
"Was für eine beeindruckende Auswahl", stellte der Wächter fest. "Ich... ähm... bin total überwältigt. Wie wäre es, wenn sie mir eine Probe mitgeben würden... von dem da?" Wahllos zeigte der Gnom auf eine der unzähligen Stoffrollen.
"Eine Probe von bewölkte-Nacht-schwarz? Kein Problem, aber ich finde, man kann die außerordentliche Qualität anhand eines einfachen Fetzen Stoffs gar nicht richtig einschätzen. Warten sie doch hier einen kurzen Augenblick!"
Septimus wartete bis der Verkäufer den Raum verlassen hatte und nutzte dann die Gunst des Augenblicks, um den Verkaufstresen zu erklettern. Flink flitzte er zu dem Kundenbuch und schlug es auf, um einen Blick hineinzuwerfen. Unter den Namen, die er las, waren einige ihm bekannte Adelige und Assassinen, ein paar Vampire, außerdem Herr Siksfitanda, der Leiter der Bestattergilde. Die meisten anderen Einträge sagten ihm nichts, aber Namen wie "Belladonna Düstertag" ließen ihn unmittelbar an Jugendliche mit ernsthaften emotionalen Problemen denken. Als er die Schritte des Verkäufers vernahm, sprang er wieder vom Tresen herab und versuchte möglichst unschuldig dreinzublicken.
"Hier!", sagte der Verkäufer und präsentierte einen winzigen kleinen Anzug in Gnomengröße. "Damit können sie nicht nur den exklusiven Tragekomfort hautnah erleben, sondern gleich die Eignung für Paradeuniformen direkt überprüfen!"
"Großartig", erwiderte Septimus und streckte die Arme aus um das Kleidungsstück entgegenzunehmen.
"Oh, wollen sie das nicht lieber eingepackt haben?"; fragte der Verkäufer.
"Ach, das geht auch so, danke."
"Neinein, ich bestehe darauf!", entgegnete der Verkäufer und ging zu seinem Tresen, wo er einen kleinen Stoffbeutel zu Tage förderte. Er legte das winzige Kleidungsstück zusammen und dann vorsichtig in den Beutel. Oben drauf legte er noch etwas, was Septimus nicht genau erkennen konnte.
Kaum war dem Gnom der Beutel übergeben worden, schaute er nach und förderte sogar zwei Gegenstände zustande, eine Visitenkarte - nichts verdächtiges an der - und eine kleine Blechmarke mit einer kryptisch anmutenden Nummer und dem Logo des Schwarzmarkts.
"Was ist das denn?", bohrte er sofort nach, der Verkäufer lächelte und erklärte es.
"Eine Prämienmarke. Die erste ist ein Geschenk von mir, ansonsten gibt es bei jedem Einkauf ab einem Wert von 100 Dollar eine dazu. Wenn man 100 hier wieder abgibt, dann bekommt man einen klassischen klatschianischen Kochofen geschenkt."
"Was?"
"Wir nennen das unsere 'Herdprämie'."
Im Kopf des Gnoms ratterte es. Die Opfer der Raubüberfälle hatten diese Marken nie erwähnt - was aber nicht verwunderlich war, schließlich hatte man sie allesamt bis auf das Unterhemd[1] bestohlen, da vergaß man eine kleine Marke, von der man eine lachhaft große Anzahl brauchte, ziemlich schnell. Trotzdem war das der entscheidende Punkt, das spürte der Gnom, auch wenn ihn eine Kleinigkeit irgendwie doch störte.
"Wieso sollte jemand sich die Mühe machen hundert Mal hier einzukaufen, wenn es nur einen Herd dafür gibt? Ich will ja nicht großkotzig erscheinen, aber das erscheint mir doch irgendwie wie eine ziemlich lumpige Prämie. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ihr anderes Klientel genauso gut... nun ja... betucht ist, wie ich."
"Mitnichten! Wenn sie mir bitte folgen würden!"
Der Verkäufer führte Septimus an ein Hinterzimmer in dem ein halbes Dutzend große, extrem bedrohlich wirkende Trolle saßen. Die beiden passierten sie und gingen durch mehrere dicke Tresortüren ins Hinterhinterzimmer. Dort stand der Herd, in seiner ganzen Pracht. Septimus kannte natürlich die Redewendung "Eigener Herd ist Goldes wert", doch das jemand das so wörtlich nimmt, hätte er nicht erwartet, denn der Herd war komplett aus Gold. Außer die Diamanten, mit denen er besetzt war. Verwirrt kratzte er sich am Kopf und fragte sich einige Augenblicke lang, wie man mit so einem Herd überhaupt kochen konnte, oder sich diesen überhaupt in die Küche stellen konnte, ohne obszön zu wirken, aber dann besinnte er sich auf den Fall zurück. Nun, dieser dekadente Herd war natürlich mehr als Grund genug, die Marken zu sammeln. Er musste sofort ins Wachhaus zurück, um Maßnahmen einzuleiten!
"Wirklich sehr beeindruckend!", stellte er fest und machte sich wieder auf den Weg aus dem Hinterhinterzimmer und dem Hinterzimmer hindurch Richtung Ausgang. "Das ist eine wirklich hübsche Prämie. Ich werde ihr Geschäft vielleicht noch für weitere Aufträge der Wache empfehlen, natürlich nur, wenn wir uns auch für die Paradeuniformen entscheiden und mit der Qualität ihres Produktes vollauf zufrieden sind!"
Der Gnom steuerte nun direkt auf die Ausgangstür zu.
"Oh, einen Moment bitte noch!", hielt der Verkäufer Septimus auf: "Vielleicht möchten Sie ja noch den aktuellen Farbkatalog mitnehmen; damit können sie sich in aller Ruhe den schönsten Schwarzton aussuchen!" Er zog unter seinem Verkaufstresen ein Buch hervor, das so dick war, wie der Gnom hoch.
"Ähm... schicken Sie den Katalog doch an das Wachhaus, ja? Ich habe mit der Stoffprobe ja schon alle Hände voll!", erwiderte der Gnom, verließ verlegen grinsend rückwärts die Tür, und lief dann so schnell ihn die Beinchen trugen.
Der Verkäufer sah ihm kurz nach und wandte sich dann achselzuckend dem nächsten Kunden zu, der geduldig in einer Nische gewartet hatte. "Sie wünschen, mein Herr?"
Der Kunde hielt dem Verkäufer eine Robe entgegen und fragte: HABEN SIE DIESE KUTTE AUCH EINE SCHATTIERUNG SCHWÄRZER?

Abteilungsleitung: Reiner Rundumschlag


Reiner verfluchte sich innerlich selbst. Wieso musste er nur immer alles selber in die Hand nehmen? Er war nun mal nicht der stärkste, geschickteste oder sonst irgendwaste, da grenzte es doch beinahe schon an Dummheit, sich als Lockvogel zur Verfügung zu stellen! Aber was machte man nicht alles, um vor den anderen Abteilungsleitern möglichst gut da zu stehen. Außerdem wusste er, dass seine pazifistische Ausstrahlung genau das richtige war um die Räuberbande anzulocken. Deshalb hatte er sich auch widerwillig in diesen edlen schwarzen Fummel mit den goldlichen Stickerreien stecken und sich mit allerlei Glitter und Tand behängen lassen.
Auch wenn er sich fragte, wie Feldwebel Baum die Zeit dazu gefunden hatte ihm noch ein Kostüm zu besorgen, wenn sie eigentlich die ganze Zeit immer noch in diesen Fall mit den Tauben drinsteckte. Er würde mal ein ernstes Wort mit ihr reden müssen, damit sie ihre Prioritäten besser ordnete, dieser Fall war wichtiger als die Wartung des Fundus.
Grübelnd ging der Zwerg die Straße entlang und schwenkte dabei seine aufreizende und zutiefst entwürdigende Männerhandtasche hin und her. Er ahnte nicht, dass er von mehr Personen beobachtet wurde, als gedacht.
"Siehst du den kleinen Kerl da, Franz?", fragte leise eine vermummte Gestalt, die aus einem sicheren Versteck nach unten zur Straße hin spähte.
"Oh ja, Wilhelm! Das ist der gleiche Kerl, den ich heute beobachtet habe, wie er den Schwarzmarkt verließ, mit einem halben Dutzend Träger voller Beutel im Schlepptau. Wenn bei dem nicht ein paar Marken im Geldbeutel herumschwirren, dann weiß ich auch nicht."
"Ausgezeichnet! Wir sind dem Goldofen schon extrem nahe, Mutter wird sehr zufrieden mit uns sein."
Der andere nickte und zog dann eine kleine Spiegelscherbe hervor und ließ sie mehrmals das Sonnenlicht in das andere Versteck auf der anderen Straßenseite hin blitzen. Zur Antwort kamen mehrere Lichtpunkte.
"So ein Mist!", zischelte Franz. "Otto hat einen Wächter entdeckt!"
Die beiden Kleinkriminellen rutschten ein wenig aus ihrem Versteck heraus zu der Kante des Daches und schauten nach unten, wo man die Spitze einer Armbrust leicht aus einem der Fenster hervor lugen sehen konnte.
"Nicht einmal mehr in Ruhe Leute ausrauben kann man mehr hier!", schimpfte Willhelm empört im Flüsterton, während Franz einige Lichtsignale an Otto und Friedrich gab, dass der Überfall erst einmal abgeblasen war und sie wieder in Verfolgungsmodus übergehen würden.
Reiner ahnte nichts davon, sondern stolzierte weiter die Straße entlang um die Übeltäter endlich anzulocken. Die Zeit verstrich für ihn unendlich langsam und er kam nicht umhin zu bemerken, dass einige Passanten hinter seinem Rücken schamlos kicherten. Doch er hielt durch, schließlich war das für einen wichtigen Fall und er konnte schlecht von den Kollegen etwas erwarten, was er selbst zu tun nicht bereit gewesen wäre. Und deren Achtung wollte er nicht verlieren, war er doch viel dienstjünger und unerfahrener als sie... Wieso war ausgerechnet er Abteilungsleiter geworden? Das ergab einfach keinen Sinn!
Verärgert beschloss der Zwerg, dass dieser Versuch offensichtlich gescheitert war. Das war wohl doch weder der richtige Ort noch die richtige Zeit um die Räuber aus ihrer Deckung zu locken. Er gab ein abgesprochenes Geheimzeichen an den leichten Armbrustschützen, den er von FROG zur Sicherheit ausgeliehen hatte und machte sich dann allein wieder auf, zurück Richtung Wachhaus.
Der Zwerg kannte Ankh-Morpork und die Wege recht gut und nahm deshalb eine Abkürzung durch eine der vielen, dunklen Seitengassen, die ihm etwa zehn Minuten Wegstrecke einsparte. Er wollte möglichst schnell aus diesem Fummel heraus und in normale Kleidung rein. Vielleicht sogar ausnahmsweise mal ein Kettenhemd überziehen, damit er sich etwas zwergiger fühlte.
"Wäre auch zu schön gewesen, wenn das geklappt hatte...", murmelte er sich selbst zu und verdrehte die Augen, als er einen heftigen Schlag am Hinterkopf spürte und dann das Bewusstsein verlor.
Als er wieder aufwachte war es schon dunkel, und sein Kopf schmerzte ungeheuerlich. Er brauchte ein paar Momente um sich neu zu orientieren und stellte fest, dass er nur noch ein Unterhemd trug, selbst die Hose hatte man ihm gestohlen! Entsetzt wurde ihm klar, dass sie mit seinem Hab und Gut auch unweigerlich seine Wachemarke hatten. Mit anderen Worten - er hatte es mehr als gründlich vermasselt. Gedemütigt schlich der Zwerg sich in der Dunkelheit ins Wachhaus zurück.

Abteilungsleitung: Inspäctor Kolumbini


Kolumbini zog eine Pfeife aus einer der vielen Taschen seines Mantels und griff in eine andere um einige Zündhölzer heraus zu ziehen. Ohne Hast zündete er den Tabak in der Pfeife an, nahm ein paar kräftige Züge, blies gekonnt ein paar Rauchkringel in die Luft und steckte dann erst seine Streichhölzer zurück. Schließlich wandte er sich Reiner zu, der mit einer Decke um die Schulter geschlungen auf einem Stuhl saß und leicht benebelt wirkte.
"Also, an was genau kannst du dich erinnern?"
"Nun, ich bin durch die Sickelgasse gegangen, als ich plötzlich einen starken Schmerz am Hinterkopf spürte und das Bewusstsein verloren habe. Als ich wieder zu mir kam, war ich beinahe komplett nackt."
Kolumbini nahm die Pfeife aus dem Mund und starrte einige Minuten lang nachdenklich vor sich hin.
"Du hast nichts von den Tätern gesehen, oder?"
"Nein, überhaupt nichts, tut mir leid, Sir!", schniefte Reiner und schaute auf den Boden.
"Kein Grund niedergeschlagen zu sein", brummte Kolumbini ohne große Hintergedanken und zog wieder an seiner Pfeife. "Es ist ja nicht so, als hättest du es absichtlich gemacht. Aber es war dumm, dass du nicht mit dem Frosch zusammen ins Wachhaus zurück gegangen bist."
"Es tut mir ehrlich leid, Sir, aber ich dachte, wenn ich zusammen mit dem leichten Armbrustschützen gesehen werde, dann wüssten diese Halunken sofort, dass ich ein Wächter bin und dass wir dann keinen Lockvogel mehr ausschicken können..."
"Ja, das mit dem Lockvogel können wir jetzt wirklich vergessen", stellte Kolumbini fest und seufzte.
"Ich... ich habe ja sagt, dass ich nicht gut in so was bin...", murmelte Reiner, doch der Abteilungsleiter machte nur eine abwinkende Handbewegung.
"Den anderen wäre es wohl nicht viel anders ergangen, Gefreiter. Aber zu was anderen, du hast dich bereits von einem Sanitäter untersuchen lassen, oder?"
"Natürlich, Sir!"
"Wissen die denn schon genaueres, wie du niedergeschlagen wurdest?"
"Es... muss irgendein dumpfer Gegenstand gewesen sein. Der mit entsprechend viel Wucht auf mich nieder kam. Mein Schädel brummt immer noch wie ein Bienenkorb."
Kolumbini paffte wieder einige Wölkchen aus seiner Pfeife. "Hm... Hättest du etwas dagegen, wenn ich selbst einmal einen Blick auf deinen Hinterkopf werfe?"
Der Zwerg schaute skeptisch, nickte dann aber.
Der Ermittler zog sich ein paar Handschuhe an und begann vorsichtig den Hinterkopf des Gefreiten abzutasten. Er ignorierte das leise Wimmern, als er über die Beule strich und hielt erst inne, als er etwas unerwartetes spürte.
"Da klebt etwas in deinen Haaren", warnte er Reiner, und puhlte dann auch schon vorsichtig den winzigen Gegenstand heraus, den der Gossenschmutz in seine Frisur geklebt hatte.
"Sieh her", sagte er zu Reiner und zeigte ihm seine Beute.
Der Zwerg hielt sich den Hinterkopf und wirkte skeptisch: "Sieht aus wie ein kleiner schwarzer Krümel... Ein Stein? Ich hoffe es ist einer!"
"Nein, ich glaube nicht, dass es sich um einen Stein handelt", erwiderte der erfahrene Ermittler und zog eine Lupe aus den Tiefen seines Mantels hervor, um sie auf das unidentifizierte Objekt zu richten. Sein Mund verzog sich zu einem Grinsen, und triumphierend stieß er ein "Aha!" aus.
"Was haben Sie in meinen Haaren gefunden, Sir?"
"Einen winzigen Manschettenknopf, Gefreiter."
"Ein Knopf? Wie hilft der denn in diesem Fall weiter?"
"Nun, je kleiner der Knopf desto größer der Beweis. Gut gemacht, Gefreiter, ich denke damit hast du uns entschieden geholfen. Du solltest dich zur Feier des Tages etwas ausruhen, während ich den Knopf genauer untersuchen lasse."
Beschwingt zog er eine Teetasse und eine Kanne aus seinen Mantel und gönnte sich eine Portion Tee.

Abteilungsleitung: Jack Narrator


Im Labor herrschte hektisches Treiben, während Huitzli und Lady Rattenklein einige Phiolen mit Blut untersuchten. Sie hatten ein halbes Dutzend Petrischalen vor sich aufgebaut und ein kleines Regal voller Reagenzgläser voller Testflüssigkeiten.
"Siehst du, dass hier ist Werwolfblut, was man anhand der Reaktion mit den Silberionen gut erkennen kann", erklärte die Lady, während der Wasserspeier nickte.
Die beiden sahen von dem Experiment auf, als es an der Tür klopfte.
"Herein?"
"Guten Morgen", begrüßte Jack die beiden Laboranten: "Ich habe hier einen Beweis, den ihr bitte einmal untersucht."
"In Ordnung", erwiderte Lady Rattenklein: "Leg ihn einfach dort drüben in die erste leere Box von rechts. Wir kümmern uns dann sofort darum, wenn wir die anderen Anfragen bearbeitet haben."
"Es handelt sich aber um eine dringende Angelegenheit", wandte Jack ein.
"Ja, die anderen Anfragen sind auch alle dringend. Es wäre merkwürdig, wenn wir zur Abwechslung mal einen Beweis vorgelegt bekommen würden, von dessen sofortiger Bearbeitung nicht Leben und Tod abhängen würde..."
Huitzli konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn er konnte sich daran erinnern, wie wirklich mal vor einiger Zeit etwas eingereicht wurde, womit sie sich ruhig Zeit lassen konnten. Lady Rattenklein hatte die Probe von dem Kantinenessen nur einmal kurz angesehen und im Anschluss daran sofort entsorgt. Das Mamsel Piepenstengels Tagesgerichte - außer dem Hackbraten - echter Fraß waren, bedurfte keiner Laboranalyse um es zu bestätigten. Die Analysen, die es nicht eilig hatten, gingen immer am schnellsten.
"In diesem Fall habe ich natürlich vollstes Verständnis", erklärte der Püschologe in einem ungewohnt freundlichen Tonfall.
"Sehr schön!", erwiderte Lady Rattenklein und wandte sich wieder den Petrischalen zu. "Huitzli, die erste Probe war ja eindeutig Werwolf. Tropfe nun auch die Silberionenlösung auf die zweite Schale."
Das Blut begann heftig zu blubbern.
"Auch Werwolf", stellte der Wasserspeier sachlich fest.
"Nicht so voreilig!", meinte Lady Rattenklein und grinste. Sie ging zu einem Reagenzglas mit Probelösung und kippte eine andere Substanz hinzu. Das Blut flockte sofort zu großen Klumpen zusammen.
"Oh was, ist denn das?", fragte der Wasserspeier irritiert: "Das sollte aber nicht passieren!"
"Das war Knoblauchessenz, eine ziemlich gute Methode, um Vampirblut zu identifizieren."
Huitzli kratzte sich am Kopf: "Soll das heißen, das war ein Wervampir? Oder Vampirwolf? Wie ist so was überhaupt möglich?!"
Man hörte ein lautes Knacken als jemand lautstark in einen Apfel biss.
Lady Rattenklein zuckte zusammen, drehte sich um und stemmte die Arme in die Seiten: "Bei einer Untersuchung wird nicht gegessen!"
Jack zuckte nur mit den Schultern, während er das Apfelstück genüsslich kleinkaute. Als er runtergeschluckt hatte, stellte er fest: "Ich untersuche nichts. Kein Problem also."
"Zum Essen ist die Kantine da!", stellte Lady Rattenklein fest.
Der Abteilungsleiter schüttelte nur bedauernd den Kopf: "So gern ich in die Kantine gehen würde, ich kann nicht. Wie schon gesagt, diese Untersuchung ist wirklich dringend, also warte ich hier, bis ihr mit ihr fertig seid um dann sofort das Ergebnis persönlich in Empfang nehmen zu können. Die Rohrpostdämonen werden es euch danken, die sind eh schon völlig überlastet seitdem die Tauben nicht mehr können."
"Okay!", fauchte die Gnomin ungehalten und drehte sich wieder weg. So eine Unverschämtheit, einfach hier im Labor den hart arbeitenden Laboranten auf der Pelle zu sitzen und bei ihrer Arbeit auszuspionieren! Leider konnte sie ihn nicht rausschicken. Blöde Nicht-SUSI-Abteilungsleiter!
Trotzdem würde sie sich nicht von solch impertinenten Verhalten beeindrucken lassen: "Also, Huitzli, Probe zwei reagiert sowohl auf Silberionenlösung als auch auf Knoblauchextrakt. Woran denkst du, liegt das? Und nein, es gibt keine Vampirwölfe."
Der Wasserspeier kratzte sich am Kinn: "Hm... ich glaube nicht, dass das Aussagen eines Werwolfs eine solche Wirkung auf Vampirblut hätte - oder dass sich ein Werwolf sich das überhaupt gefallen lassen würde... Ich denke ich würde auf einen einfachen Verfahrensfehler beim Ansetzen der Probelösungen tippen."
"Nicht ganz, Huitzli, aber schon in der richtigen Richtung", meinte Lady Rattenklein: "Die eigentliche Ursache ist aber so banal, dass du lachen wirst, wenn ich sie dir verrate! Es...
"Die Petrischale war dreckig", unterbrach sie Jack und pulte sich ungeniert ein Stück Apfel zwischen den Zähnen heraus. "Das ist das gleiche wie bei uns damals in der Gerichtsmedizin; wenn du deine Werkzeuge nicht immer sauber hältst, dann kommt möglicherweise ein Haufen Murks zu Stande."
Lady Rattenkleins Gesicht hatte die selbe Farbe wie ihre Haare angenommen und zornig schnappte sie nach Luft. Jack hatte ihr die Pointe in der Lektion geklaut! "Du willst also diesen Beweis untersucht haben?!", fauchte sie.
"Ja, das wäre überaus hilfreich."
"Dann untersuche ich diesen dämlichen Beweis! Huitztli, reich ihn mal rüber!"
Der Wasserspeier tat wie ihm geheißen.
Lady Rattenklein musterte misstrauisch den Manschettenknopf, der die richtige Größe für einen Gnom hatte und fragte: "Was willst du überhaupt wissen?"
"Aus welchen Material er besteht."
"Gutgut", erwiderte Lady Rattenklein, krempelte sich die Ärmel an ihrem Laborkittel hoch und spazierte an die Seite vom Tisch wo ein winziger Werkzeugkasten stand und nahm sich eine Feile heraus. Sie ging zu einer sauberen Petrischale und raspelte an der Seite des Knopfes etwas vom Material ab und besah sich die Stelle. "Gut, als erstes stelle ich fest, dass der Knopf innen genauso gefärbt ist wie außen, nämlich schwarz. Er wurde also nicht einfach nur schwarz gestrichen. Huitztli, würdest du die Analyse auf Mineralien übernehmen?"
"Natürlich!" Der Wasserspeier holte sich ein Glas und füllte es mit etwas Wasser, dann nahm er die Petrischale, schüttelte das abgeschmirgelte Pulver hinein und rührte das ganze kurz um. Im Anschluss trank er die so entstandene Lösung und verzog angewidert das Gesicht. "Organisch", stellte er fest und holte sich ein neues Glas Wasser um den schlechten Geschmack wieder los zu werden.
"Tja, schwarzes Material, organischer Natur, da kann es also nur Ebenholz sein. Zufrieden, Herr Abteilungsleiter?!"
"Oh, ja, mehr als das!", entgegnete Jack und grinste die Laborantin an.
"Den Bericht schreibe ich irgendwann später, wenn ich die ganzen anderen Analysen fertig habe, in Ordnung? Können wir damit jetzt endlich wieder unser geregelten Arbeit nachgehen?!"
"Auf jeden Fall. Mit dem Bericht kannst du dir auch alle Zeit der Welt lassen."
Genervt stöhnte die Laborantin, aber wenigstens dampfte der Abteilungsleiter wieder ab.

Abteilungsleiter: Romulus von Grauhaar


Romulus schaute auf den Zettel in seiner Hand und dann wieder auf das Gebäude vor sich. Ja, er war hier an der richtigen Adresse. Ohne zu zögern griff er nach dem vergoldeten Türklopfer in Löwenform und klopfte kräftig an. Die Tür öffnete sich wenige Augenblicke später und ein Igor sah ihn an. "Ja, Fie wünfen?"
"Ich muss mit Ihrer" - er schaute auf den Zettel und las ab: "'Exzellenz Frau Antonia von und zu Hügelingen, Baronin von Käsistan' sprechen."
"Haben Fie einen Termin?"
"Nein, etwas besseres", entgegnete der Werwolf und zückte seine Wachemarke und drängte sich dann an den Igor vorbei einfach in das Haus. Er ließ kurz seinen Blick über die Eingangshalle schweifen und pfiff dann anerkennend. Eines musste man ihr lassen - Geschmack hatte sie.
"Wenn fir mir dann bitte folgen würden", forderte der Igor den Wächter nach kurzen Überlegen auf und führte ihn erst über eine Treppe in den ersten Stock und dann zu einem Zimmer mit einer äußerst repräsentativen Tür. 'Wahrscheinlich ein Arbeitszimmer oder kleiner Salon', dachte Romulus und klopfte zum zweiten Mal an.
"Herein!", flötete eine weibliche Stimme und Romulus betrat das Zimmer.
"Ich wünsche Ihnen einen guten Abend", begrüßte er die Gnomin in dem überüppigen Kleid.
"Womit verdiene ich denn diesen unerwarteten Besuch?", fragte jene und klimperte mit den Wimpern.
Der Wächter beugte sich über den Tisch auf dem die Gnomin in einer kleinen Sitzgruppe saß. "Das wissen Sie ganz genau, Frau Baronin. Ich bin wegen der Marken hier!"
"Was für Marken? Ich weiß gar nicht, wovon Sie reden."
Romulus zog eine der Schwarzmarkt-Blechmarken aus seiner Jacke und legte sie vor ihr ab. "Diese Marken."
"So eine habe ich noch nie gesehen!", behauptete die Gnomin und schüttelte den Kopf.
"Oh, das ist ja merkwürdig!" Romulus zog ein gefaltetes Blatt Papier aus der Hosentasche, schlug es auf und legte es neben der Marke auf den Tisch. "Wie kommt es dann, dass sie im Kundenbuch stehen mit einem halben Dutzend Einkäufen über 100 Dollar?"
Die Gnomin errötete: "Ach so... diese Marken... ja, die sammle ich. Ist das etwa illegal?!"
"Nun, solange man nicht andere Leute ausraubt um an sie zu kommen..."
Die Gnomenbaronin hatte auf einmal einen ziemlich verkniffenen Gesichtsausdruck.
Romulus schüttelte den Kopf. "Wir haben einen Manschettenknopf bei einem der Opfer gefunden, aus Ebenholz. Und es war nicht allzu schwer mit Hilfe der Dienststelle zur Observierung von Gildenangelegenheiten heraus zu finden, wer solche Knöpfe in Gnomengröße vertreibt und welche Gnome in der Stadt überhaupt genug Geld dazu haben, um sich so was filigranes und wertvolles überhaupt leisten zu können. Nachdem wir diese erste Spur hatten, war es eine Leichtigkeit, weitere zu finden und herauszufinden, wer genau eigentlich hinter dieser Sache steckt."
Sie lachte auf: "Was für eine lachhafte und unverschämte Anschuldigung! Wieso sollte ich so viel Aufwand um einen Ofen betreiben, wenn ich es mir leisten könnte, dutzende zu kaufen?"
Romulus schüttelte den Kopf. "Ich habe nicht gesagt, dass Sie selbst dahinter stecken." Er schaute hinter sich zur Tür, wo vier junge Gnome aufgetaucht waren, die zerknirscht auf den Boden starrten.
"Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, wieso sie das gemacht haben", gab Romulus zu: "Wir konnten einen Teil der Diebesbeute bei den üblichen Hehlern wiederfinden, aber wenn es nur ums Geld gegangen wäre, wieso dann nur Leute ausrauben, die Marken dabei haben? Es musste etwas mit dem Ofen zu tun haben."
Einer der vier Gnomenbrüder meldete sich zu Wort: "Wir wollten eigentlich nur Mutter eine Freude machen... Sie hat immer darüber geschimpft wie groß und unpassend dieses Menschenhaus als Behausung doch ist... Der Herd hat genau die richtige Größe um darin zu wohnen, und genug Schick, dass sich Mutter wohlfühlen würde..."
Romulus verdrehte die Augen: "Und dafür habt ihr Leute ausgeraubt?! Wenn es euch wirklich nur um eine Freude für eure Mutter gegangen wäre, dann hättet ihr nur die Marken mitgehen lassen. Oder anderweitig versucht an diese heran zu kommen. Nein, jemand der nicht einmal davor zurückschreckt, Teenager mit schweren psychischen Problemen auszurauben, kann mir nicht erzählen, er hätte das ausschließlich zur Freude seiner Mutter getan!"
"Schämen solltest ihr euch!", schimpfte auch die Frau Baronin. Dann schaute sie Romulus an: "Nichts desto trotz sind diese missratenen Kleinkriminellen meine Söhne, ich wünsche also noch einen schönen Tag, während wir uns jetzt vom Acker machen!"
Und wie von der Tafrantel gestochen sprang die Gnomin vom Tisch und schoss quer durch den Raum nach draußen. Romulus schüttelte nur den Kopf und schaute den in einem Affentempo davon rasenden Gnomen zu. Er zuckte mit den Schultern und schlenderte in einem gemütlichen Tempo wieder heraus aus dem Haus, grüßte den Igor wortlos mit einen Nicken und kam dann draußen an, wo die Kollegen schon auf ihn warteten. Der Abteilungsleiter beugte sich zu einem der Käfige, in dem die abgefangenen Gnome gesperrt worden waren und erklärte: "Ihr hattet doch nicht ernsthaft geglaubt, dass ich alleine hierher gekommen bin, oder? Wie formuliert es das alte Abteilungsleiterhandbuch so schön: 'Für jeden möglicherweise flüchtenden zu apprehierenden Delinquenten ist die Anzahl der involvierten Ordnungshüter adäquat zu inkrementieren."
Nicht nur die Gnome, sondern auch seine Kollegen sahen ihn verständnislos an.
"Keine Sorge, das müsst ihr nicht verstehen", grinste Romulus. "Ihr seid ja schließlich keine Abteilungsleiter."
[1] und in einigen Fällen sogar noch das




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Feedback:

Von Ruppert ag LochMoloch

06.8.2011

Die Story hat mir ganz gut gefallen. Die Herdprämie war zwar etwas übertrieben hoch, aber eine witzige Idee. Genau wie die Idee, dass Muttern im Herd leben sollte.
Die Abteilung hat den Fall in guter Zusammenarbeit gelöst.
Was mich nicht überzeugt hat waren die verschiedenen Abteilungsleiter, denn sie hatten nicht wirklich Raum um ihre (eventuellen) Eigenarten als AL zu entwickeln. Gute Idee, aber nicht wirklich gut umgesetzt; nein, ich sage sogar, dass die Idee eigentlich gar nicht umsetzbar ist (und dafür ist sie dann wieder gut umgesetzt ;-) ).

Von Sebulon, Sohn des Samax

21.8.2011

Ich fand die Idee großartig, dass jeder sich aus seiner Sicht als Abteilungsleiter fühlt - das hätte man aber auch noch überspitzen können. Aus meiner Feder wäre vermutlich deutlich mehr Größenwahn zu lesen gewesen. :)

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